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 Foto: D. Alsdorf

 Abels Blut

ISBN 978-3-938097-20-5

11,90 Euro

MCE-Verlag Drochtersen 2010

www.mce-verlag.de

 

Die Vorgeschichte

Die Hinrichtung eines jungen Liebespaares sorgte vor 175 Jahren im Königreich Hannover für erhebliches Aufsehen. Die frisch mit einem 30 Jahre älteren Witwer verheiratete Anna ermordet zusammen mit ihrem Stiefsohn Claus in einer Märznacht des Jahres 1833 ihren Mann. Beide werden für diese Tat öffentlich hingerichtet. Eine harte Strafe, die schon damals nicht unumstritten war.

In seinem 2007 erschienen Romandebüt „Anna aus Blumenthal“ rekonstruierte der Autor zunächst die Geschichte der Magd Anna und ihre tragische Zwangsehe, die 1835 bei Himmelpforten auf dem Schafott endete. Doch viele Fragen in diesem Kriminalfall blieben offen.

In dem vorliegenden Roman erfährt der Leser nun die Vorgeschichte des Falls, und führt ihn in das damals noch wilde Kehdinger Moor um 1830: Der zwielichtige Moorbauer Cord Meyer sorgt des Nachts mit seiner Bande auf den einsamen Höfen mit Mord und Diebstahl für Angst und Schrecken. Begeleitet wird er häufig von seinem Sohn Claus. Bis dieser sich verliebt und sich aus den Machenschaften seines kriminellen Vaters zu befreien versucht. Doch der nimmt bittere Rache …

 

Leseprobe:

 Es war ein Mord, der so schändlich und niederträchtig war, dass sich das Volk über Jahre hinweg darüber das Maul zerriss. Begangen in Blumenthal, am Randes des Ostetales in einer Märznacht des Jahres 1833 in der Hitze unkeuscher Begierden, die so fern der Welt und ihrer göttlichen Gesetze waren, dass selbst ihre Majestät der König jegliche Begnadigung der Verbrecher zurückwies …

 

Dieser Roman beruht auf einer wahren Begebenheit. Ein Kriminalfall, der vor 175 Jahren die abgeschiedenen Dörfer rund um Himmelpforten in der Landdrostei Stade erschütterte und eine Legende begründete. Die Legende einer unerfüllten Liebe zwischen der Magd Anna und dem Bauernsohn Claus, die auf dem Schafott endete.

Was zunächst in den Spinnstuben der Frauen für frivolen Gesprächsstoff sorgte, geriet im Laufe der Jahre zur Sage und fand schließlich Eingang in die erste Chronik des Dorfes Himmelpforten im heutigen Kreis Stade. Das war vor etwa hundert Jahren.

Der Autor rollte für den vorliegenden Roman den sagenhaften Kriminalfall noch einmal auf, sprach mit Nachfahren und Ahnenforschern, recherchierte in Archiven und an den Schauplätzen.

Er fand heraus, dass der Mord an dem Bauern Cord Meyer durch seinen Sohn Claus und seine dritte Ehefrau Anna lediglich der tragische Endpunkt einer für die damalige Zeit beispiellosen Verbrechensserie stand, die im sozialen Umfeld des hochkriminellen Mordopfers begründet lag.

Die umfangreichen Fakten verlangten infolge seiner Komplexität eine Veröffentlichung in zwei voneinander getrennten Handlungssträngen. Der Autor veröffentlichte Ende 2007 zunächst den Lebensweg der bäuerlichen Dienstmagd Anna, die von ihrer Mutter zu einer Ehe mit dem Witwer Cord gedrängt wurde. („Anna aus Blumenthal“ ISBN 978-3-88132-315-4) Hier stand die damals noch verbreitete Zwangsverheiratung mit ihren tragischen Folgen im Mittelpunkt des Geschehens.

Rätselhaft aber blieben dem Leser die Verstrickungen von Annas Geliebten Claus und dessen Vater Cord in dunkle Machenschaften, die das besondere Verhältnis unter ihnen einst begründete und letztendlich, durch die Zwangsehe von Anna, in den Untergang führte.

Dieses Buch schließt nu die Lücke und führt den Leser zurück in das Kehdinger Moor der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Einem ödem Landstrich, der geprägt war von weit verstreut liegenden Bauernhöfen und Torfabbau. Die überaus harten Lebensbedingungen forderten ihren Tribut. Die Kinder- und Frauensterblichkeit war hoch. Viele junge Burschen, denen keine Hofnachfolge winkte, suchten ihr Glück und Auskommen auf dem Meer. Sie verdingten sich als Matrosen und Harpuniere und fuhren mit Walfangschiffen ins Nordmeer.

Was dem einen die Taschen füllte, war des anderen Untergang. Manche kehrten nie mehr zurück in ihre Moordörfer, in der in den Wintermonaten das Wasser in die Häuser lief. Sie ertranken in den eisigen Fluten oder starben an ihren Verletzungen und Krankheiten. Jene aber, die alle Entbehrungen, alle Not und Elend überstanden hatten, kehrten zuweilen gezeichnet zurück. In eine Heimat, in deren Enge und Kargheit sie sich nicht mehr zurechtfanden. Nicht selten dem Branntwein und Glücksspiel verfallen, wurden sie kriminell und begannen, das Kehdinger Land mit Diebstählen und brutalen Überfällen zu überziehen.

 

 „Wer den Alten totschlüge, der begeht keine Sünde. Und wenn da einer wäre, der denselben totschlagen wolle, so wolle er demselben eine blanke Pistole* geben.“

Claus über seinen Vater im Januar 1833.

 *) Damals gängige Floskel; entspricht der Summe von 15 Talern.

 

 

 Der Moordamm, auf dem Abel starb ...

Foto: D. Alsdorf

Prolog

Der 7. August 1816 war ein Mittwoch und der bislang wärmste Tag des Monats. Die Luft flimmerte über dem wilden Kehdinger Moor, als Abel mit ihren drei Jungen auf dem Damm zu den Torfstichen ging. Mühsam schob sie die schwere Karre aus Eichenholz. Abel war seit Monaten krank und schwach. Müde wirkten ihre Schritte. Wie die einer alten Frau. Doch die jüngste Tochter der Böschs, einer der alteingessenen Familien im Bützflether Moor, war erst dreißig Jahre alt. Abel plagte tiefe Trauer. Zwei ihrer Kinder waren ihr in diesem so unendlich leidvollen Jahr gestorben. Im Januar die erst einen Monat alte Anne. Dann vor neun Tagen ihre dreieinhalbjährige Tochter Stine. Seitdem hatte sie unablässig geweint und ihren Gemahl angefleht, sie Tags über von der harten Landarbeit zu verschonen.

Denn nicht nur in ihrer Seele wühlte ein Schmerz, auch ihren Leib schien es zu zerreißen. Eine unerklärliche Krankheit hatte sie befallen und verzehrte einem Feuer gleich ihren einst so makellosen Körper. Aschfahl war ihr schmales Gesicht geworden und ihre großen blauen Augen lagen tief in ihren Höhlen. Dunkel umrahmt, wie ein Abbild des Gevatters, den sie bereits auf dem Dachboden des Hofes zu hören glaubte.

„Bitte lass mich im Haus, die Schmerzen machen mich irre,“ bat Abel.

„Ins Moor mit dir, Weib!“, brüllte ihr angetrauter Ehemann Cord, Bauer auf der Meyer-Wurt. So war es die Art des Vaters, so kannten ihn seine Söhne. Warum er die Mutter so schlecht behandelte, wussten sie nicht. Und sollte einer von ihnen versuchen, der geschundenen Mutter beizustehen, wie es vor einigen Tagen Simon, der Älteste, versucht hatte, riskierte er Prügel.

Der fast sechsjährige Claus, der dem Streit der Eltern still beigewohnt hatte, wollte es gar nicht erst darauf ankommen lassen. Denn ihn hatte der Vater noch nie geschlagen. Er hatte sich aber auch nie getraut, ihm in den Arm zu fallen, wenn er einmal wieder seine Hand gegen die Mutter erhob. Und er würde es auch nie wagen. Das geschwollene Gesicht Simons war ihm Warnung genug.

Während seine älteren Brüder Simon und Hinrich mit gesenkten Köpfen barfuss hinter der Mutter gingen, blieb Claus etwas zurück, um am Wegesrand der Mutter zum Trost einen Heidestrauß zu pflücken. Während in einiger Entfernung im Torfstich seine Brüder der Mutter dabei halfen, getrocknete Soden auf die Karre zu stapeln, lag er im hohen Gras und schaute träumend in den blauen Himmel, der von weißen Schäfchenwolken verziert war. Bussarde zogen darunter ihre Kreise über dem weiten Moor und noch höher, fast unsichtbar, sang eine Lerche.

Claus liebte die Abgeschiedenheit des Moores. Liebte das Summen der Immen und den Gesang der Lerchen. Hier konnte er fernab des Hofes mit seinem dort vorherrschenden Unfrieden von seiner Zukunft träumen, die er auf stolzen Schiffen auf den Meeren sah. So wie sein Vater, der über viele Jahre auf Walfängern gedient hatte. Stundenlang konnte Claus den abenteuerlichen Geschichten lauschen, die er zuweilen abends am Herdfeuer erzählte. Und wenn Claus sich gut betrug, durfte er sogar auf dessen Schoß sitzen und sein Vater strich ihm durch das blonde Haar.

„Wirst einmal Walfänger wie ich und fährst auch zur See“, sagte er dabei und Claus übersah, wie feindselig ihn dabei seine Brüder ansahen. Und ihre Eifersucht immer dann an ihrem jüngsten Bruder ausließen, wenn der Vater einmal nicht in der Nähe war. Das kam in der letzten Zeit immer häufiger vor und Claus fragte sich, was den Vater vom Hof zog und der dadurch sein Tagwerk vernachlässigte.

Claus erhob sich, um nach seiner Mutter zu sehen. Er hatte bei seinen Tagträumen die Zeit vergessen. Längst hätte sie an ihm vorbei müssen, um den Torf auf dem Hof abzuladen. Er sprang über den Entwässerungsgraben und erklomm den Damm. Besorgt sah er sich um. Der Damm war leer. Doch was war das? Im Schatten der den Weg säumenden Birken ragte etwas Weißes aus dem Gras.

Claus lief so schnell es ihm die nackten Füße erlaubten. Die Mutter lag auf dem Weg, ihre Karre mit den Torfsoden war in den Graben gestürzt. Sie hatte ihre unförmige Sommerhaube verloren, deren leuchtendes Weiß ihm den Weg gewiesen hatte.

„Mudder!“, schrie Claus und beugte sich über den leblosen Körper. Die Mutter stöhnte leise, als er sie zu schütteln begann.

Abel öffnete langsam die Augen. „Claus, mien Lütten“, hörte er und spürte ihre eiskalte Hand an seinem Unterarm. „Schön, dass du da bist. Bitte lass mich nicht allein. Bleib bei mir, bis der Allmächtige …“

Sie ließ sich zurück auf den Boden sinken und rang mühsam nach Luft. Beide Hände hielt sie krampfhaft vor den Bauch. Abel musste große Schmerzen haben.

„Mudder, ich hole Hilfe!“, rief Claus und die Tränen liefen ihm über die Wangen.

„Nein, … bleib hier“, flüsterte die Mutter. Claus sah mit Bestürzung, wie ihr Gesicht immer schmaler wurde, ihre Wangen seltsam einfielen. Als hätte der körperliche Verfall schon eingesetzt, bevor die Seele aus dem Körper gewichen war.

„Mudder, ich laufe zum Hof, ich hole Vadder!“

„Nein, nein – nicht Vadder!“. Abel richtete sich etwas auf und Claus schob ihr den Heidekranz unter den Kopf, den er ihr eigentlich hatte schenken wollen.

„Ich habe Durst … das Feuer im Leib …“ Sie schluchzte laut auf.

„Ich hole Wasser“ versprach Claus und stieg hinab in den Moorgraben, der den Damm säumte. Sich mit der einen Hand an einem Birkenzweig haltend, schöpfte er mit der anderen braunes Moorwasser. Doch als er am steilen Hang auf den Weg zurück klettern wollte, verlor er das wenige, dass er in seiner Kinderhand zu halten vermochte.

Weinend kniete er wieder bei der Mutter und strich ihr mit den nassen Fingern über die Lippen.

„Oh, mein Gott…“, flüsterte sie und ihre Tränen rannen ins Gras, „Die Schmerzen fressen mich auf. Zerreißen mir den Leib.“

Kalter Schweiß stand ihr auf der Stirn. Claus riss sich sein verschwitztes Hemd vom Leib. Behutsam tupfte er der Mutter mit dem Ärmel den Schweiß aus dem Gesicht.

„Guter Junge…“, flüsterte sie und versuchte zu lächeln. „…du bist ein guter Junge….oh mein Gott… und ich muss nun für immer gehen und kann nicht mehr auf dich aufpassen …“

Wieder liefen Tränen über ihr Gesicht. Claus spürte ihre Totenhand auf seinem Arm.

„Ich muss auf dich aufpassen, Claus, hörst du mich? Uns Vadder, er ist nicht gut für dich. Hörst du, Claus? Höre nicht auf ihn. Gehe zu meinen Brüdern. Zu Peter oder Jacob. Sie sollen dich aufnehmen, dich zu einem rechtschaffenen Menschen aufziehen. Das ist mein letzter Wille.“

Kraftlos ließ sie sich ins Gras zurückfallen. Mit Entsetzen sah Claus, wie sie ihre von Narben übersäten Hände faltete und ihre Lippen leise Worte formten:

„O Gott, du Vater aller Gnade und Barmherzigkeit. Erbarme dich über mich, dein armes Geschöpf, um Christi Willen. Lass mich, deine Dienerin, in Frieden fahren….“

Claus schrie auf und lief zurück zum Hof. So schnell ihn die Füße trugen.

 

 Mehr dazu in meinen Buch!

  

Foto: D. Alsdorf 

 Bis Mitte 2010 existierte noch eine flache Bodenwelle der "Meyer-Wurt".

 

 

Das Wasserloch markierte den ehemaligen Brunnen der Wurt. 

 Foto: D. Alsdorf

 

 

Die Geschichte ... 

 

 Einst im Kehdinger Moor – die Banditen Jenz und Schröder“auf dem Weg zu Cord Meyer (Spielszene).

Foto: D. Alsdorf

 

Claus Meyer ist 20 Jahre alt und dient im Januar 1830 als Knecht bei seinem Onkel Jacob Bösch in der Moorsiedlung Neuland. Einerseits ist dies für ihn so was wie eine Flucht von dem elterlichen Bauernhof im Bützflether Moor, in dem der Streit mit seiner Stiefmutter, die er verächtlich „Schrödersche“, nennt, an der Tagesordnung ist. Andererseits liebt und verehrt er seinen Vater Cord, der ihn, seit er aus der Schule war, immer wieder auf abenteuerliche Diebestouren in die Umgebung mitgenommen hat. Claus ist im Gegensatz zum Vater, der bereits um die fünfzig ist, wendig und geschickt bei Einbruch in fremde Häuser. Cord gehört zu einer kleinen Räuberbande, die gelegentlich die Gegend des Kehdinger Moores unsicher macht. Zwar plagt Claus deswegen das schlechte Gewissen, doch er entschuldigt es damit, dass es ja die „Schrödersche“ war, die seinen Vater zu diesen Taten verführt hat, weil es um die Wirtschaft des Hofes so schlecht steht. Cord will die Landwirtschaft nicht recht gelingen. Er ist ein „Taugenichts“, als Viehdieb berüchtigt in der ganzen Gegend.

In jungen Jahren fuhr Cord in der warmen Jahreszeit regelmäßig zur See, diente u.a. auf Walfängern und erlernte dort das Schlachterhandwerk…und anderes mehr. Um ihn an den väterlichen Hof zu binden, wurde ihm auf Wunsch von Cords Vater Simon die blutjunge Abel vom benachbarten Bösch-Hof zur Heirat angeboten - Claus’ Mutter. Sie starb mit nur 30 Jahren, auch weil Cord sie schlug und quälte. Da war Claus erst sieben Jahre alt. Cord heiratete innerhalb von vier Wochen erneut – die Schrödersche. Während die älteren Brüder das Haus verlassen und sich als Knechte verdingen, ist Claus der Stiefmutter ausgesetzt, die dem Vater mehrere Kinder gebärt, davon ein Junge, - Johann und damit ein möglicher Anwärter auf den Hof!

Claus plagen in Neuland Alpträume: Vor drei Jahren war er an einen Einbruch in Hörne bei Stade beteiligt, bei der eine alte Frau von Cord gequält und fast getötet wurde. Wie so oft hatte er hier hatte er als Jüngster und Geschicktester das Fenster geöffnet und fühlt sich schuldig an der grausamen Tat, an der sein Vater direkt beteiligt war.

Jacob Bösch, Claus’Onkel und jüngerer Bruder von Abel, ahnt die Verstrickung seines Neffen in die dunkle Machenschaften von Cord. Er hasst Cord dafür, dass er seine Schwester Abel in den Tod trieb und nun auch ihren Sohn mit sich in die Tiefe reißen will. Er versucht Claus wiederholt auf den rechten Weg zu führen.

Doch das misslingt. Wiederholt nimmt Cord den Sohn mit und Claus genießt die Anerkennung seines Vaters. Claus hofft auf die Übernahme des Hof, wenn er nur geduldig seinem Vater folgt. Immerhin ist er der Jüngste aus erster Ehe und Schwiegervater Bösch hatte seinerzeit Land und Geld in die marode Wirtschaft gesteckt.

Cord ist ein Taugenichts, das hat der alte Bösch gewusst. Im Grunde wissen das alle, auch Claus, der es jedoch verdrängt und dem die schrecklichen Bilder in die Träume folgen.

Dann passiert es: Ende Januar 1830 überfällt Cord, frustriert durch ausbleibende Erfolge bei Einbrüchen auf dem Deich in Barnkrug einen Schiffer und ermordet ihn. Claus ist Zeuge.

Um die Tat zu vertuschen, schleppen sie den Toten kilometerweit und legen ihn so in den Schnee, dass er zunächst nicht gefunden wird. Erst im Frühjahr wird die Leiche gefunden und Cord hat wieder einmal die Polizei im Haus.

Die Schrödersche erfährt von ihrer Schwester, die in Blumenthal mit dem Lehrer Jacob Wohlers verheiratet ist, vom Verkauf des Hagenahschen Hofes. Um den Fahndungsdruck und wachsender Feindseligkeit im Dorf zu entgehen, beschließt er kurz entschlossen den Umzug nach Blumenthal, etwa 20 Kilometer entfernt und in einem anderen Gerichtsbezirk.

Doch woher soll er die Anzahlung für den Hof nehmen?

Er animiert Claus, für ihn den Hof des Nachbarn Jagemann anzuzünden, da dieser schon eine der seltenen Brandversicherungen hat.

Jagemann brennt ab und an ihm verkauft Cord seine Hofstelle auf Abbruch. Cord bekommt den Zuschlag und zieht im Mai 1830 nach Blumenthal um.

Im Sommer, Cord ist längst am neuen Wohnort, geht es wieder auf Diebestouren. Diesmal gilt es, Schulden zu tilgen, die Cord bei seinem Kumpan Claus Jenz hat. Darum macht Claus widerwillig mit, ist ihm doch der Hof sicher versprochen. Und kann, weil er sich bereit erklärt, fortan alleine einzubrechen, weitere Grausamkeiten verhindern.

Doch das makellose Bild des Vaters hat längst Risse bekommen. Der Verlust des Hofes im Moor, seit Jahrhunderten Familienbesitz und Eigentum ist verloren, der neue Hof ist eine lediglich Meierstelle, mit gutsherrlichen Abgaben, die Cord nicht leisten kann.

  

Der ehemalige Moorstieg im Kehdinger Moor, angelegt u.a. von Peter Schröder, diente als schnelle Verbindung zwischen dem Drochterser Moor und dem Amt Himmelpforten.

Foto: D. Alsdorf 

 

Im September 1830 wirft Jacob das Handtuch und entlässt seinen Neffen Claus, der auf den Hof seines Vaters Cord in Blumenthal wechselt. Es ist ein endgültiger Abschied auch von den Böschens, auf dessen Schutz und Fürsprache er sich bis dahin verlassen konnte. In Blumenthal dagegen regieren die Schröder-Frauen und Claus hat einen schlechten Stand. Johann, Sohn aus zweiter Ehe, wird von den Frauen schon als künftiger Hofnachfolger gehandelt.

Die fälligen Abgaben an den Gutsherren drücken. Claus geht wieder mit dem Vater auf Diebestour, um nicht seine letzte Gunst zu verlieren.

Gleich die erste Tour, die wieder in Cords alte Heimat führt, endet in einer Tragödie. Wieder ist Cord mit seinen Kumpanen Claus Jenz und Peter Schröder unterwegs. Und wieder mit äußerster Grausamkeit. In Grauerort richtet Cord eine alte Frau regelrecht hin. Wie immer mit dem Tau, ohne Blutvergießen. Und wieder ist Claus Zeuge. Die Tat führt zu weitgehenden Ermittlungen, selbst eine Belohnung wird ausgesetzt.

  

Claus flieht regelrecht aus dem Dunstkreis seines Vaters und geht in die nahe Stadt Stade, wo er Anna kennen und lieben lernt. Eine lebensfrohe junge Frau, die als Dienstmagd in einem Bürgerhaus dient und in Claus einen möglichen Bräutigam sieht. Er verschleiert in seiner Angst, doch noch des Mordes überführt zu werden, seine wahre Identität. Es sind diese Geheimnisse, die Claus um seine Person macht, die Anna magisch anziehen und in ihr Verderben führen sollen. Hinzu kommt, dass er Geld in der Tasche hat und Anna glauben lässt, in ihn einen potenziellen Hofnachfolger zu sehen. Für die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Anna ist er eine „gute Partie“ und sie hofft durch ihn das Leben einer Bäuerin zu führen.

Claus begreift, dass er, um Anna als Braut vorzuführen und den Meierhof zu übernehmen – falls Cord doch noch, wie er zu jenem Zeitpunkt denken muss, gefasst und hingerichtet wird – ein erstklassiges Zeugnis haben muss. Von einem mehrfachen Mörder und vielfachen Dieb würde es ein solches Zeugnis nie geben bzw. nichts gelten. Ein gutes Führungszeugnis aber erhält man, wenn man als Soldat gedient und sich dort bewährt hat. Dann stehen alle Wege offen.

Er folgt Annas Rat und lässt sich im Januar 1831 anwerben und geht im Mai nach Stade in den Militärdienst. Für Cord ein harter Schlag! Hat er doch keinen Zugriff mehr auf seinen Sohn. Er versucht es nun allein, was prompt misslingt. Bei einem Einbruch in der Nachbarschaft wird er verletzt und fast entdeckt. Es ist das Ende seiner Dieberei.

Was Claus nicht ahnen kann ist der Umstand, dass Anna durch ihren Vormund und Onkel unerwartet aus der Stadt geholt wird und ins Alte Land vermittelt wird. Unerreichbar weit entfernt von Claus. Dennoch glaubt er daran, nach Beendigung seiner Dienstzeit alle guten Voraussetzungen zu erfüllen, um in absehbarer Zeit den väterlichen Hof zu übernehmen - mit Anna als seine Braut!

Cord hat, als sein Sohn ihm von einer möglichen Braut erzählte, die mögliche Braut heimlich ausspioniert und hinsichtlich einer „guten Partie“ überprüft. Er findet heraus, dass sie im Grunde aus der Nachbarschaft stammt und sich als Braut seines Sohnes, obwohl arm, günstig für seine Integration in Blumenthal auswirken würde.

Doch die Dinge entwickeln sich anders. Im Sommer 1832, kurz vor dem Ende der Dienstzeit von Claus, stirbt überraschend die verhasste Stiefmutter. Claus freut sich, wäre doch nun für ihn der Weg für die Übernahme des Hofes frei. Doch was er nicht weiß - der Vater will noch einmal heiraten!

Durch großzügige Versprechungen – er räumt der armen und zudem blinden Mutter Trine ein Altenteil bei sich ein – gelingt es Cord, Anna als Braut zu bekommen. Es ist ihre Schönheit, die den Alten anzieht. Und sie seinem Sohn wegnimmt. Er will sie allein besitzen und denkt nicht daran, den Hof in jüngere Hände zu legen. Cord hegt den Plan, es in seiner neuen Heimat noch einmal zum Amt und Würden zu bringen. Vielleicht sogar Dorfrichter zu werden, oder Deichgraf. Wenn man schon zu alt für Diebereien war, konnte man auf andere Art und Weise es zu etwas bringen.

Anna hat keine Wahl. Vormund und Mutter legen die Eheschließung für sie fest. Ende September 1832 wird sie aus dem Alten Land, wo sie dient, abgeholt.

 

Anna, die Claus aus den Augen verloren hat, versucht in ihrer Verzweiflung in der Eheanbahnung ihren „Preis“ hochzuhandeln, in dem sie neben einem üppigen Altenteil das Häuslingshaus des Hofes für sich fordert. Cord willigt scheinbar ein, legt den Vertrag aber nicht wie vorgeschrieben zur Genehmigung beim Gutsherren vor. Kurz vor der Hochzeit geht Anna persönlich mit dem Vertrag zum Gutsherren, dem Stader Landdrosten. Dieser moniert wie erwartet das hohe Altenteil und fordert eine Nachbesserung. Diese findet statt, erneut treffen sich die Parteien – das kleine Haus aber bleibt Anna versprochen.

 

 

 Foto: G. Oellerich / Archiv Alsdorf

Das Häuslingshaus in Blumenthal gibt es noch heute …

 

 Claus hat in der Stader Garnison nicht die geringste Ahnung, was der Vater veranstaltet und gerade im Begriff ist, durch die Einräumung eines hohen Altenteils dem Nachfolger, also ihn, für ein Leben lang hoch zu belasten. Immerhin sind Anna und Claus fast gleichaltrig, während Cord Mitte fünfzig ist – für damalige Verhältnisse also „alt“. Würde der Vater in ein paar Jahren sterben, müsste er als Nachfolger des Vaters junge Witwe ein Leben lang versorgen…

Vor allem aber weiß Claus nicht, dass der Vater ihm bewusst die Braut nimmt!

 

Erst bei der Hochzeit bemerkt Claus, der für die Feier Urlaub bekommt, was sich in Blumenthal abspielt. Das lange getrennte Paar findet wieder zusammen und die Tragödie nimmt ihren Verlauf. Anna verweigert sich ihren angetrauten Ehemann und hält es mit Claus. Das über Jahre gewachsene gute Verhältnis zwischen Vater und Sohn zerbricht endgültig. Hass und Brutalität bestimmen den Alltag.

Hinzu kommt, dass Anna schwanger von Claus wird. Im Frühjahr 1833 werden die Verhältnisse derart unerträglich, dass Claus und Anna den Alten erwürgen.

Schnell fliegt die Tat auf, sie werden verhaftet. Im nahen Himmelpforten, dem Gerichtsort, werden sie langen Verhören unterzogen.

Peter Schröder und Claus Jenz, Cords alte Kumpanen, fürchten, durch eine Aussage von Claus ebenfalls ihrer Taten angeklagt zu werden. Sie setzen Claus unter Druck, zu schweigen und versprechen ihm dafür die Freiheit. Währenddessen gebiert Anna im Gefängnis ihr gemeinsames Kind und bald darauf erfolgt das Todesurteil sowohl für sie als auch Claus.

Als Claus erkennt, dass er betrogen wurde und nicht befreit wird, versucht er sich das Leben zu nehmen. In letzter Not verrät er Cords Kumpanen, doch es ist zu spät. Im Sommer 1835, nach endlosen 2 ½ Jahren Hoffen und Bangen, treten Anna und Claus gemeinsam ihren Weg in den Tod an. Beide werden vor Himmelpforten vor Tausenden von Zuschauern enthauptet. Claus Jenz und Peter Schröder beobachten zufrieden, wie der letzte Zeuge ihrer Taten stirbt und verscharrt wird.

Ihre gemeinsamen Morde bleiben für immer ungesühnt.

 

 „Jenz und Schröder“ am „Grab ihres Komdürs“, ihres Anführers Cord Meyer.

Foto: D. Alsdorf

(Spielszene - das Original-Grab in Burweg ist nicht gekennzeichnet)

  In die Rollen der historischen Figuren schlüpften Helmut Oste, Holger Göbel und Jan Beckebrede.

 

©  D. Alsdorf 2010

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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