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Annas Grab in Oldendorf entdeckt!

Vorsichtig wird der Sarg von Anna freigelegt.

 

 Das leere Grab von Anna und Claus im Bereich der einstigen Hinrichtungsstätte in einem Wäldchen südlich von Himmelpforten gab seit der Entdeckung 2007 Rätsel auf. Klar schien, dass das Doppelgrab beim Abtrag des nur provisorisch errichteten Richthügels entdeckt und die Leichen an einem anderen Ort bestattet wurde. In den Romanen kann man nachlesen, dass die Anlage eines Richtplatzes und die Hinrichtung des Liebespaares selbst auf heftige Ablehnung in der Bevölkerung stieß.

Die Gehilfen des Scharfrichters konnten nicht wissen, dass jenes Grab, dass sie damals am frühen Morgen in den aufgeschütteten Hügel buddelten, nur eine kurze Zeitspanne überdauern sollte. Die Bürger wollten nicht an die schauerliche Hinrichtung erinnert werden und setzten durch, dass der Erdhügel wieder abgetragen wurde.

Dabei wurden die beiden Särge gefunden und an einen unbekannten Ort fortgeschafft. Wohin, dass gehört zu den ungelösten Fragen und zum Mythos der Geschichte um Anna und Claus.

Nun aber wissen wir zumindest, wo Anna Spreckels ihre letzte Ruhe fand: Auf dem Kirchhof von Oldendorf! 

Das erste Grab unter dem Richthügel im März 2007, kurz nach seiner Entdeckung.

Unter einer dicken Humusschicht wird die Grabgrube sichtbar.

Die Überraschung war groß - die Grabgrube war leer.

 

Was war damals geschehen, wohin wurden die Leichen geschafft?  Wurden sie im angrenzenden Wald verscharrt oder doch heimlich auf dem Himmelpforter Friedhof? Eigentlich war Anna und Claus die Ruhe in geweihter Erde verwehrt. Sollten sie also in alle Ewigkeit dort in der Heide herumspuken? Und dann die seltsamen Todesfälle im Dorf - Gefangenwärter, Hebamme und der Organist - alles Menschen, die in den letzten Monaten vor der Hinrichtung engen Kontakt zu den Gerichteten hatten. Sollte es einen Fluch geben?

Es muss der Oldendorfer Superintendent Goebel gewesen sein, der Kraft seines Amtes verfügte, die Gerichteten, zumindest aber Anna heimlich und in aller Stille auf dem Kirchhof seiner Gemeinde umzubetten. Keine Schriftquelle belegt diese Tat. Und doch hat sie stattgefunden, belegt durch eine archäologische Grabung im Jahre 2009.

 

 Über 1000 Jahre hinweg fanden auf dem Kirchhof von Oldendorf die Toten des ganzen Kirchspiels ihre letzte Ruhe. Als seit den 1830iger Jahren den einzelnen Dörfern eigene Friedhöfe genehmigt wurden, diente der Kirchhof nur noch den Oldendorfern als Ruhestätte. Etwa 1870 wurden dann ein  neuer Friedhof am Ortsrand angelegt - aus dem Totenacker wurde ein Rasen. 

Und bewahrte seine Geheimnisse - wie das des geheimen Anna-Grabes, dass ganz am Rande, in der Nähe der umgebenden Hecke angelegt wurde.

In den Jahren 2009/2010 musste ein Teil des alten Gottesackers einem Verbrauchermarkt weichen. Umfangreiche Ausgrabungen gingen dieser gravierenden Veränderung der Oldendorfer Ortsmitte vorraus. Ich nahm daran teil und wurde Zeuge, wie unter den den hunderten von Gräbern eines hervorstach ....

Zunächst ist es nur eine der üblichen dunklen rechteckigen Sargverfärbungen.

Ein rechteckiger Kastensarg, der innerhalb des Gräberfeldes auffallend isoliert liegt...

Doch dann die Überraschung - das Grab ist ungestört, jedoch der Schädel liegt nicht da wo er hingehört - sondern bestenfalls auf der Brust des Verstorbenen.

Vorsichtig wird dass Innere des massiven Eichensarges freigelegt. Tatsächlich liegt der Kopf des Verstorbenen in unnatürlicher Position - sofort kommt der Verdacht auf, dass es sich um einen Hingerichteten handeln könnte! Doch wer sollte das sein. Von der Stratigraphie her stammte das Grab aus der letzten Bestattungsphase von 1830 bis 1870. Und aus dieser Zeit waren nur zwei Personen im Oldendorfer Raum hingerichtet worden - Anna und Claus - dem Liebespaar aus meinen Romanen "Anna aus Blumenthal" und "Abels Blut".

Die freigelegte Bestattung: Erhalten ist nur der Schädel und Reste der beiden Oberschenkel, wenige Reste des linken Unterschenkel sind ebenfalls noch feststellbar. Ansonsten ist der Leichnam vergangen. Demnach liegt der Schädel über der Magengegend - die Leiche ist insgesamt nach Westen verrutscht, der Schulterbereich liegt am Kopfbrett des Sarges!

Hier noch mal ein Blick in den Sarg, die schwarzen Verfärbungen sind die Spurender Eichenbretter, auch der Boden ist zu erkennen. Vorn im Bild der linke Unterschenkel, dann die Reste beider Oberschenkel und dann im Bereich des Bauches der Schädel, auf der Seite liegend.

Die Lage der Leiche im Sarg ist so zu deuten, dass der Sarg bei der Umbettung in Himmelpforten am Fußende angehoben und der Leichnam samt darauf abgelegtem Kopf Richtung Kopfbrett verrutschten. Annas Sarg lag im Himmelporter Doppelgrab unten. Um den Sarg aus der engen Grabgrube herauszuhebeln (siehe die Fotos oben) musste er von der schmaleren Fußseite  (hier war der Sarg nur 45 cm breit) mit dem Spaten oder ähnlichem hochgehebelt werden. Die Umbetter brachten den Sarg in Schräglage, die Leiche rutschte Richtung Kopfbrett, schlangen ein Seil herum und zogen ihn aus der Grube.

Da der Sarg nur 1,70 m lang war, ist darin eine kleine zierliche Person bestattet worden, die eben kleiner als 1,70 m groß war. Daher ist es mehr als wahrscheinlich, dass es der Sarg von Anna war und nicht der von Claus, der als Mann einen eher robusteren Knochenbau gehabt, und diese sich in einer besseren Erhaltung gezeigt hätten.

Da es im Kirchspiel Oldendorf im fraglichen Zeitraum des 19. Jahrhunderts keine weiteren Hinrichtungen gegeben hat, kann es sich nur um das Grab von Anna handeln. Das Grab gehört zu jenen letzten, die der Kirchhof vor seiner Schließung aufnahm.

Wo Claus zweitbestattet wurde, wissen wir nicht. Zumindest im untersuchten Teil des Oldendorfer Kirchhofs wurde er nicht gefunden. 

Interessant ist noch der Umstand, dass etliche Jahre später das Annagrab noch einmal geöffnet wurde und ein Kleinkind auf dem Nordostbereich des vermoderten Sarges bestattet wurde.

Es ist denkbar, dass Annas Vormund Otto Spreckels aus Bossel, damals Borstel, der ja bekanntlich die Ehe mit dem Verbrecher Cord Meyer einfädelte, die Bestattung in seinem Familiengrab erlaubte bzw. veranlasste. Die Bosseler fanden wie die Oldendorfer damals ihre letzte Ruhe auf diesem Kirchhof.

Somit ist also eines der zentralen Rätsel um "Anna aus Blumenthal" gelüftet. Das Grab in Oldendorf konnte nicht erhalten werden. 

 

 

© Fotos und Text: Dietrich Alsdorf 2017

 

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