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 Baum der einsamen Herzen –

die Bräutigamseiche von Eutin

 

 Foto: D. Alsdorf

Im Dodauer Forst bei Eutin trotzt eine knorrige Eiche dem Zeitgeist. Seit über hundert Jahren stiftet der rund 500 Jahre alte Baum Beziehungen und Ehen, die der Legende nach besonders dauerhaft sein sollen. Bereits seit 1927 bringt die Post regelmäßig Briefe von Heiratswilligen oder Kontaktsuchenden zur Bräutigamseiche. Als Briefkasten dient immer noch ein kleines Astloch in vier Meter Höhe. Mittlerweile führt eine stabile Holztreppe in die Höhe. Dort ist das Briefgeheimnis ausdrücklich aufgehoben. Jeder, der möchte, darf die Briefe lesen und zum Beantworten mitnehmen. Der Rest wird wieder im Astloch deponiert. Für das nächste einsame Herz, dass vielleicht genau auf diese Briefe gewartet hat.

 

Foto: D. Alsdorf

Es ist Mittwoch, der 9. Juli – ein heißer Sommertag. Ich bin auf dem Weg zur Bräutigamseiche. An einer Eutiner Ausfallstraße, der B76 Richtung Plön weist ein Schild zu dem legendären, Beziehungen stiftenden Baum. Ein breiter Fußweg führt vom Parkplatz zur Eiche. Ein wirklich prächtiger Eichenbaum, der von einem Zaum eingehegt wird. Eine Holzleiter lehnt am Stamm. Ich bin überrascht: Etliche ältere Herrschaften belagern die Bänke rund um den Baum – und warten offenbar auf einsame Herzen, um diese dann zu beobachten. Tatsächlich lassen die ersten Suchenden oder Neugierigen nicht lange auf sich warten. Eine Gruppe junger Menschen klettert die Leiter hoch und fingert die Post aus dem Astloch. Und dann werden die Köpfe zusammengesteckt, die Briefe geöffnet und gelesen. Ernsthaft Kontaktsuchende sind jedenfalls nicht darunter. Nach einer Weile zieht die Gruppe fröhlich weiter. Nun wage ich den Erstversuch: Ich erklimme die Leiter und finde oben im Stamm ein gelb umrandetes Astloch. Der offizielle Ast-Briefkasten! Prallvoll mit Post. Und das in Zeiten des Internets.

 

Foto: D. Alsdorf

Es begann einst wie im Märchen: Minna, die Tochter des Dodauer Oberforstmeisters Ohrt und Wilhelm, Sohn des bekannten Leipziger Schokoladenfabrikanten Schütte-Felsche hatten sich 1890 ineinander verliebt. Eine Verbindung, die der Förster keineswegs zu dulden bereit war. Über ein Jahr pflegten sie ihre Liebe heimlich. Botschaften und Briefe tauschten die Liebenden über ein Astloch in einer knorrigen Eiche mitten im Dodauer Forst aus. Dann endlich gab der Förster nach und die Liebenden durften den Bund fürs Leben schließen. Als Dank an den Baum ließ sich die Hochzeitsgesellschaft unter dem Baum fotografieren. Und das Märchen ging weiter. Minna folgte ihrem erfolgreichen Mann nach Leipzig und „wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.“ Soweit das reale Märchen. Doch mit weitreichenden Folgen: Wohl meist weibliche Kurgäste verbreiteten die Liebesgeschichte weiter und schon bald wurden dem märchenhaften Baum spirituelle Kräfte zugesprochen. So würden Jungfern, die bei Vollmond dreimal schweigend um den Baum gingen und dabei an ihren Angebeteten dachten innerhalb eines Jahres mit diesem vermählt.

 

Foto: D. Alsdorf

Über hundert Ehen sollen auf diese altertümliche Weise bereits entstanden sein. Die Dunkelziffer dürfte entsprechend höher sein. Und für Enttäuschte oder Verlassene spendet die Bräutigamseiche jede Woche erneut Post aus aller Welt.

 

Foto: D. Alsdorf

Die Adresse der Single-Börse: Bräutigamseiche, Dodauer Forst,

23701 Eutin.

 Foto: D. Alsdorf

© D. Alsdorf 2013

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