keyvisual



Willkommen!
NEWS
MEINE BÜCHER
NEU: Anna Brümmer
Geschichten II
Geschichten I
 Ufergeflüster
Anna aus Blumenthal
Abels Blut
Isern Hinnerk
Anthologien
Harsefelder Jahrbuch
BERICHTE
Dampfpflug
Margaretha's Grab
Vermisst!
Werkstattflug
Brandgrube
Absturz 1962
Starfighter
Karlstein
Mauerfall
Fliegergrab
Holtorfsbostel
Kreuzsteinsuche
Bräutigamseiche
ALEXANDRA
ÜBER MICH ...
Gästebuch
Sitemap
Impressum

 

 

Als die Stahl-Saurier kamen

Fotos der großen Heidekultivierungen im Kreis Stade

 Seit Jahrhunderten bildet der Kirchweg die schnellste Verbindung zwischen Hagenah und Oldendorf. Auf diesem Weg pilgerten früher jeden Sonntag die Hagenaher nach Oldendorf zur Kirche, über diesen Weg wurden die Toten zum Kirchhof, die Neugeborenen zur Taufe gefahren. Bis vor 82 Jahren führte dieser Weg durch eine kilometerlange baumlose Einöde, der Heide, die lediglich von Schafherden und ihren Schäfern gelegentlich bevölkert wurde. Ansonsten blieb das Ödland, wie man es früher treffend nannte, sich selbst überlassen. Und das schon seit vielen Jahrhunderten. Während heute Heideflächen mühsam wieder aufgepäppelt werden, um sie als Teil ehemaliger Kulturlandschaft zu erhalten, trachteten die Bauern früher danach, sie zu fruchtbarem Ackerland umzuwandeln. Denn nach der allgemeinen Verkoppelung der einstmals gemeinschaftlich genutzten Ödlandflächen waren die Ödlandflächen auf einzelne Besitzer verteilt. Diese aber sahen sich kaum in der Lage, mit Pferd und Pflug das Landschaftsbild einschneidend zu verändern. Zwar wurde hier und da ein Acker dem Ödland abgerungen oder aufgeforstet, aber dabei blieb es denn auch. Bis vor 88 Jahren der Hagenaher Lehrer Hinrich Harms eine seltsame Beobachtung machte.

 

Gleich zwei mächtige Dampfmaschinen, wahre Ungetüme, rasselten, von Schwinge kommend, in die Heide. Sie zogen einen mächtigen Pflug und einen Wohnwagen hinter sich her. „Vom Boden stiegen bald dicke Rauchwolken hoch, unbekannte Männer bemühten sich, durch Feuer das Heidekraut zu vernichten“, vertraute er der Schulchronik an. Dann begann das, was der Lehrer als „Vernichtungskrieg“ bezeichnete. Zwischen den selbstfahrenden Lokomobilen lief an einem Stahlseil der mächtige Pflug, der nicht nur die Heide umbrach, sondern auch die darunter befindliche Ortseinschicht aufriss. „Vier Furchen zog der Pflug bei einer Führung und kroch so immer weiter“, schrieb Hinrich Harms und bedauerte, dass im Sommer 1925 auf diese Weise die ganze Hagenaher Heide am Kirchweg dem Dampfpflug „zum Opfer“ fiel.

 

 

 

Insgesamt kultivierte in den Jahren 1925-32 die „Deutsche Ödlandkultivierungsgesellschaft“, kurz „Dökult“ genannt, 900 Hektar Ödland, davon 100 Hektar Moor. Die Bauern staunten nicht schlecht über die mächtigen Dampfmaschinen, die auf zwei Meter hohen und ebenso breiten Rädern liefen. Und einen enormen Appetit an Wasser und Steinkohle hatten, der zunächst traditionell mit Pferdegespannen, ab Juni 1925 aber schon auf einem eigens verlegten Schmalspurgleis vom Bahnhof Mulsum herangefahren wurde. Die umgebrochenen Flächen wurden von der „Dökult“ bis zur ersten Bestellung hergerichtet, dann übernahm die landwirtschaftliche Abteilung der Gesellschaft die weiteren Arbeiten. Bei Hagenah entstand ein Barackenlager, das den rund 70-80 Arbeitern, meist Arbeitslose aus Bremerhaven und Braunschweig Unterkunft bot. Aber auch viele Leute aus den umliegenden Dörfern fanden damals Lohn und Brot. Der normale Stundenlohn betrug 36 Pfennig, der eines Gespannführers 50 Pfennig. Die jeweiligen Eigentümer der Flächen bekamen das Angebot, ihre kultivierten Flächen zum Preis von 400 bis 500 Reichsmark je Hektar zurückzunehmen. Doch längst nicht jeder Bauer konnte oder wollte das. So erwarb die Niedersächsische Siedlungsgesellschaft rund um das Hohe Moor 411 Hektar kultivierten Landes und siedelte 37 Siedlerstellen an, davon fünf in Hagenah. Die einfachen Wohn- und Wirtschaftsgebäude jener Ansiedlung lassen sich noch heute sowohl am Kirchweg wie in Oldendorf erkennen.

 

 Fotos: Archiv Alsdorf

© Alsdorf 2016

Top