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Dialog von "Anna und Claus"

vor dem ehemaligen Hof von Cord Meyer am Stellberg in Blumenthal bei der Exkursion am 17. Oktober 2010.

 

Ort des Geschehens - Damals ....

Foto: G. Oellerich / Archiv Alsdorf

 

Und bei der Exkursion ...

Foto: D. Alsdorf

 Anna: „Claus, sei vorsichtig. Was soll dein Vater denken, wenn er uns zusammen sieht?“

Claus: „Was geht uns der Alte an? Soll er nur kommen. Ich dreh ihm am besten gleich den Hals um. Dann hat das Versteckspiel endlich ein Ende.“

Anna: „Und dann? Sollen dich die Gendarmen abholen und ins Gefängnis stecken?“

Claus: „Ich wüsste es schon so einzurichten, dass alles wie ein Unfall aussehen würde.“

Anna: „Nein Claus. Lass gut sein. Ewig wird dein Vater auch nicht leben. Er ist ja schon alt. Wenn Gott mit uns ist, wird er ein Einsehen haben und uns alle von diesem Scheusal in Menschengestalt erlösen.“

Claus: „Dass diesem Teufel aber auch das Rattengift nichts anhaben konnte. Ich hätt’ drauf schwören können, dass ihm das Zeug die Eingeweide zerreißen würde.“

Anna: „Ach Claus, was sollen wir nur tun? Wenn ich nachts in der Butze liege, dann kann ich an nichts anderes denken als an unsere gemeinsamen Stunden. Wenn der Spuk doch nur endlich ein Ende hätte. Dann könnten wir ins Moor gehen und einen eigenen Hof gründen. Nur du und ich und…“

Claus: „Weg von hier? Den Hof aufgeben, den ich einmal erben soll? Nein Anna, das kannst du nicht von mir verlangen.“

Anna: „Aber bedenk doch, Claus. Im Moor könnten wir neu beginnen. Dort kennt uns keiner und junge, kräftige Menschen suchen sie dort. Du hast doch von deinem Hauptmann in Stade ein exzellentes Zeugnis bekommen als du damals deinen Militärdienst beendetest. Damit stehen uns im Moor alle Türen offen.“

Claus: „Ich geh nicht mehr ins Moor. Da bekommen mich keine zehn Pferde mehr hin zurück.“

Anna: „Dann lass uns nach Amerika auswandern. Ich hab in Stade von einem Seemann gehört, dass in den Kolonien in Übersee noch viel mehr zu erreichen ist als hier bei uns. Da haben sie immer wunderbares Wetter. Die Strände sind weiß wie Schnee und auf den Feldern gedeiht alles was man nur anbaut, viel besser als bei uns.“

 

Foto: D. Alsdorf

Claus: „Amerika, Amerika. Alle reden von diesem sagenhaften Erdteil. Was, wenn wir nicht lebend dort ankommen, weil unser Schiff untergeht? Wenn wir krank werden? Es soll dort Wilde geben, die nicht davor zurück scheuen einen Menschen zu morden nur weil es ihnen gerade so gefällt.“

Anna: „Ist das denn so viel anders als wie hier bei uns? Wir alle leben in ständiger Angst vor deinem Vater. Wenn er getrunken hat, ist niemand vor ihm sicher. Meiner Mutter hat er letztens gedroht sie im Winter auf dem Dachboden einzusperren, bis sie dort oben verfault ist. Nur weil sie es wagte für mich Partei zu ergreifen.

Claus: „Wenn Vater getrunken hat geht man ihm am besten aus dem Weg. Das war schon früher so.“

Anna: „Man kann auf einem solchen Hof niemandem aus dem Weg gehen, sieh das doch ein. Du machst es dir leicht. Wenn der Alte dich ärgert nimmst du deine Mütze vom Haken und gehst einfach hinaus in die Marsch. Aber was sollen wir Frauen machen? Wir können nicht einfach so davonlaufen und warten bis sein Zorn auf uns verraucht ist.“

Claus: „Was soll ich denn tun, Anna? So sag es mir doch.“

 

Foto: D. Alsdorf

Anna: „Es muss etwas geschehen. Und zwar sehr bald. Ich hab es dir noch nicht gesagt, mein Geliebter. Wir bekommen ein Kind.“

Claus: „Du bist…schwanger?... Das ist …das ist… ich kann es nicht fassen… Ist das wirklich wahr, Anna?“

Anna: „Glaub mir, Claus, damit mache ich keine Scherze. Ich bin schwanger so wahr mir Gott helfe.“

Claus: „Ist es… von ihm?“

Anna: „Herr im Himmel, Claus. Natürlich nicht. Wie kannst du nur so etwas denken. Es ist unser Kind.“

Claus: „Ganz sicher?“

Anna: „Ganz sicher. Es wurde gezeugt am Tage meiner Hochzeit, als du mit mir im Heu warst während mein Gatte bei unseren Gästen saß und sich betrank.“

Claus: „Weiß Vater es schon?“

Anna: „Noch nicht. Aber es wird nicht mehr lange dauern, dann wird auch Cord etwas merken. Ich habe Angst, dass er mir und dem Kind etwas antut. Er wird sich an zehn Fingern abzählen können, dass das Kind nicht von ihm stammt.“

 

Foto: D. Alsdorf

Claus: „Dann ist Eile geboten. Ich schwöre dir bei Gott, Anna. Eher bring ich meinen Vater um, als dass er dir und dem Kind etwas zu Leide tut.“

Anna: „Mutter sagt, in zwei Tagen ist Neumond. Dann sollen wir ihn ordentlich besoffen machen. Wenn er bei mir in der Butze liegt schleichst du dich zu ihm und legst ihm `nen Kälberstrick um den Hals.“

Claus: „Sollst sehen, der rührt sich nicht mehr, wenn ich ihm das Licht ausgeblasen habe. Und dann ist diese Welt um einen Schurken ärmer.“

Anna: „Wir sollen ihn am Dachbalken aufhängen und einfach sagen, er hätte sich aus lauter Schmerzen selbst entleibt. Dann wirst du Bauer auf dem Hof und nach dem Trauerjahr heiraten wir. Dann wird endlich alles gut. Aber nun schnell, Ich höre den Alten dort hinten kommen. Schnell, verschwinde zum Schuppen, damit er keinen Verdacht schöpft. Schnell.“

 

Foto: D. Alsdorf 

 

 

 Text: Holger Göbel

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