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Geschichten aus dem Stader Sand

Spannendes und Wissenswertes aus Stade und der Stader Geest

Verlag Atelier im Bauernhaus

ISBN 978-3-88132-362-8

 

Aus dem Inhalt

 Es war schon ein ganz besonderer Moment, als mir als 16-jähriger Ausgrabungshelfer beim Abschaben einer Fläche auf dem sächsischen Gräberfeld in Issendorf die Pfeife des Archäologie-Pioniers Martin Mushard in die Hände fiel. Im August 1969 war das, im ersten Lehrjahr meiner Schriftsetzerlehre und in meinem ersten Urlaub, den ich lieber auf einer Ausgrabung zubrachte, als Moped zu fahren. So wie andere die Romane von Stevenson oder Cooper verschlangen, hatten es mir die Aufzeichnungen des Martin Mushard angetan. „Palaeo Gentilismus Bremensis“ nannte er sein Manuskript, für das er Zeit seines Lebens keinen Verleger hatte finden können und in jener Zeit zu meiner Lieblingslektüre gehörte. Der angehende Pastor brach im Stader Land in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu ersten archäologischen Ausgrabungen auf. Die Entdeckung des altsächsischen Gräberfeldes von Issendorf bei Harsefeld sollte sein Leben bestimmen. Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen, die ebenfalls nach „heidnischen Altertümern“ buddelten, fertigte er sorgfältige Notizen und Zeichnungen, die heute noch von wissenschaftlichem Wert sind. Mushard gilt im Elbe-Weser-Dreieck zu Recht als ein Wegbereiter, als ein Pionier der Archäologie. Das ausgerechnet mir ein Bruchstück seiner beim Ausgraben zerbrochenen Pfeife in die Hände fiel, nahm ich als ein gutes Ohmen, genau diesen Weg weiter zu verfolgen.

Auf der oben genannten Ausgrabung lernte ich einen alten Straßenbauarbeiter kennen, der - längst in Rente – ab und an für die Archäologie schaufelte. Er wusste sonderliche Geschichten aus seiner Jugend zu erzählen und berichtete auch von der „roten Lena“, die 1842 als Mörderin hingerichtet und auf einem Acker verscharrt wurde. Eines Abends zeigte er mir „Lenas Berg“ und ungefähr jene Stelle im Stoppelfeld, wo man einst die Frau vergraben hatte.

In der Grundschule in Harsefeld wurde für den Heimatkundeunterricht stets eine Landkarte mit dem Gebiet des Landkreises Stade aufgehängt. Unten rechts prangte deutlich sichtbar das kartographische Zeichen für Burgruine und die Bezeichnung: „Burgplatz Tannensee“. Eine Burgruine, kaum 8 Kilometer von meinem Wohnort Harsefeld entfernt? Ich stellte mir, der die Karte fast täglich vor Augen hatte,  eine Ruine in einem See vor, der umstanden war von Tannen. Wie enttäuscht war ich, als ich später nur eine einfache Wiese mit Ziegelschutt vorfand. Und schon damals stellte ich mir die Frage, wieso ein solch unscheinbarer Ort in allen Schulkarten vorkam? Heute weiß ich, dass der berühmte Kartograph Carl Diercke, der von 1874 bis 1885 Leiter des Stader Lehrerseminars war und Autor des bekannten „Diercke-Altas“ dafür verantwortlich war. Im Kreis anderer von der Regionalgeschichte beseelten Persönlichkeiten jener Zeit wie Wiedemann, Wittpenning und Jobelmann ließ er sich von der abenteuerlichen Geschichte des Isern Hinnerk begeistern und trug seinen Teil dazu bei, dass der Ort seiner Burg nicht in Vergessenheit geriet. (Siehe auch Seite über den Isern Hinnerk)

 Apropos Jobelmann: Zweifellos ist seine mit dem Juristen Wittpenning erstelle Chronik der Stadt Stade noch heute ein Standardwerk. Und ebenso unbestritten sind seine Leistungen um die Gründung einer Gewerbeschule in Stade wie die einer ersten Gasanstalt. Und dennoch ist sein Name bis heute verbunden mit einer beispiellosen Freveltat: Die Vernichtung der Sarkophage der Grafen von Königsmarck aus dem 17. Jahrhundert.

Zur Ehrenrettung des verdienten Stader Senators Jobelmann sei angeführt, dass die Jahre zwischen 1830 und 1870 allgemein eine Zeit der Zerstörung des geschichtlichen Erbes war. In Stade wurde zum Beispiel die altehrwürdige Nikolai-Kirche am Hafen abgerissen um für den Bau einer Gasanstalt Platz zu machen. Die Festungswälle wurden geschleift und für eine Bebauung freigegeben. Und auch die Mausoleen und Begräbnisse mussten weichen, wenn sich keine Angehörigen mehr fanden, die für den Unterhalt aufzukommen bereit waren. So wurde das Mausoleum im Park von Schloss Agathenburg dem Erdboden gleich gemacht.

 Zu den eher dunklen Kapiteln Stades während des 19. Jahrhunderts gehören die öffentlichen Hinrichtungen. Jobelmann und Wittpenning gehen in ihrer Stadtgeschichte bewusst darüber hinweg, dass zwischen 1854 und 1856 drei Menschen, zwei Frauen und ein Mann, in Anwesenheit von Tausenden von Menschen in Riensförde mit dem Schwert enthauptet wurden. Und doch werden beide Herren in der ersten Reihe gestanden haben, als am 9. Mai 1856 die junge Magd Anna Brümmer auf den Richthügel kletterte.

 Ebenfalls im 19. Jahrhundert schreibt eine einfache Gastwirtin und Köchin (Stadt)Geschichte: Sophie Armster, Wirtin der London-Schänke in der Großen Schmiedestraße  veröffentlicht 1828 ein Kochbuch mit Hunderten von Rezepten, Tricks und Kniffen der damaligen Küche. Es wird ein Bestseller, der bis zur Jahrhundertwende oftmals aufgelegt wird.

 In der Schwingemündung gegenüber von Stadersand gab es im 19. Jahrhundert einen Friedhof für jene, die die Elbe an den Strand warf. Unbekannte Seelaute aus aller Herren Länder, die fern ihrer Heimat auf einem winzigen Areal direkt am Schwingeufer verscharrt wurden.

Am Ende des zweiten Weltkriegs wurde Stade kampflos eingenommen. Zu verdanken ist dies unter anderem einem tapferen Mann, der sich mutig einem Sprengkommando entgegenstellte und damit sein Haus rettete und seinem Stadtteil Thun vor Schaden bewahrte.

 Mitten im „Kalten Krieg“ stand Stade 1962 am Rande einer Katastrophe. Ein belgischer Jagdbomber stürzte über der Stadt ab und wie durch ein Wunder kam kein Stader zu Schaden. Die Verwüstungen aber waren beträchtlich.

Unglaubliche 30 Jahre lang stand der Stader Eis- und Süßwarenverkäufer Günter Streek mit seinem Handkarren am Verkehrsknotenpunkt Bahnübergang am Eingang zur Altstadt. Generationen von Kindern ließen bei ihm ihr Taschengeld.

 Zu jener Zeit, als Jobelmann die Königsmarck-Sarkophage beseitigte, verfolgten einige Ganoven im Drochterser Moor eine besondere Idee: Einen Fußweg über das bis dahin unpassierbare Kehdinger Moor. Die Einnahmen sollten durch Gasthäuser an beiden Endpunkten wie eine Maut erzielt werden.

Friedlicher ging es derweil auf einem anderen Fußweg zu, der Hammah mit Stader verband. Bäuerinnen und Mägde trugen hier Butter und andere Güter zum Markt. Der so genannte Butterstieg ist vor wenigen Jahren reaktiviert worden.

 Die Feldsteinkirche von Bliedersdorf südlich von Stade gehört zu den besonders gut erhaltenen mittelalterlichen Gotteshäusern der Region. Interessant ist, dass sich – einmalig im Stader Land – eine Bauopfer-Sage in mehreren Versionen um das alte Gemäuer rankt.

 Im idyllischen Forst bei Neukloster keimte einst der ländliche Tourismus. Ein riesiges Kurhotel wurde in den Wald gebaut. Heute künden nur noch Ziegelreste von der Reiselust der Menschen in der Gründerzeit.

 Im Jahre 1944 gerät ein abgesprungener englischer Flieger in Bargstedt bei Harsefeld in Gefangenschaft. Über ein damals aufgenommenes Erinnerungsfoto kann ich den Mann in England ausfindig machen. 2001 kommt es zu einer Rückkehr an den Ort des Geschehens.

Die Hinrichtung des Liebespaares Anna und Claus 1835 in Himmelpforten ist Gegenstand meines Romans „Anna aus Blumenthal“. Einer der Zeitzeugen war der Tischler Bierschwall. Er berichtete auch, das das uneheliche Kind der beiden, die kleine Anna-Catharina, fort gegeben wurde und sich „gut verheiratet“ haben soll. Was wusste der Mann? Kehrte Catharina später als reife Frau zurück um nach ihren Eltern zu suchen? Genau diese Thematik ist Gegenstand einer Verfilmung, die derzeit in Vorbereitung ist.

 

Und weitere Geschichten …

© D. Alsdorf 2013

 

 

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