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Auf Kreuzsteinsuche im Neukloster Forst

Jeder, der ein Grundstück sein Eigen nennt, kennt sie – die Grenzsteine. Und nicht wenige kennen Streitigkeiten, die sich um solche markierten Grenzen schnell entzünden. Vor allen dann, wenn sich manche Grenzsteine nicht auffinden lassen oder gar von unbefugter Hand entfernt wurden. Dann müssen amtlich bestellte Vermesser ran, die in teils aufwändigen Verfahren die Granzen festlegen und neu markieren.

Auch die Menschen des Mittelalters kannten Grenzsteine. Im Gegensatz zu heute waren sie groß, wuchtig und sozusagen für die Ewigkeit geschaffen. Und ebenfalls gab es nicht selten Streit und den Grenzverlauf. In unserer Gegend waren es besonders Klöster, die sich auf diese auffällige Weise ihren Besitz zu sichern suchten. So sicherte das Kloster Zeven am südlichen Stadtrand von Stade seinen dortigen Besitz mit einer Kette von großen Kreuzsteinen. Auch das Benediktinerkloster Harsefeld stellte um einen im heutigen Forst Rosengarten befindlichen Besitz große Kreuzsteine auf.

 Die meisten Grenzsteine – inzwischen überflüssig - wurden in späteren Zeiten, als Findlinge für den Straßenbau oder als Fundamente, Kaimauern usw. benötigt wurden, einer neuen Zweckbestimmung zugeführt. Meist durch Zufall oder weil die gezogene Grenze weiterhin bestand, blieben Kreuzsteine erhalten. Eine solche Grenze gibt es heute noch in Neukloster bei Buxtehude. In einem wunderschönen, teils verwunschenen Buchenwald, gibt es noch 13 Grenzsteine mit eingehauenen Kreuzen, die fast alle noch an ursprünglicher Stelle stehen. Sie markierten im Mittelalter den zum Neuen Kloster gehörenden Wald. Das Nonnen-Kloster befand sich dort, wo heute die Kirche von Neukloster steht und wurde Mitte des 17. Jhd. aufgelöst, die letzte Konventualin starb 1705. Der Klosterbesitz fiel nach Beendigung des Dreißjährigen Kriegs an die Schweden und 1715 an das Kurfürstentum Hannover, die aus dem Klosterbezirk eine Domäne schuf.

 Die alte klosterzeitliche Kreuzsteingrenze trennte den Bezirk der Neukloster Forst vom so genannten Buxtehuder Wald, der wiederum anderen Herren zustand, dem Alten Kloster zum Beispiel.  Eine Grenze, die schon seit dem Mittelalter wiederholt zu Streitigkeiten führte. Vor allem die Horneburger Burgmannfamilie derer von Borch, die in der Region über umfangreichen Grundbesitz verfügte, wurde in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Gründe genug also, die Grenzen möglichst eindeutig und unverrückbar festzulegen.

 

Der Neukloster Forst ist heute ein über die Kreisgrenzen hinaus beliebtes Naherholungsgebiet. Mit seiner abwechslungsreichen hügeligen Landschaft an der Geestkante gehört er zu den schönsten Wäldern der Region. Seit einigen Jahren ist ein Teil des Waldes, der dem Fortsamt Harsefeld untersteht, unter dem Begriff „FriedWald“ für Bestattungen freigegeben. Eine 2012 vom Landkreis Stade herausgegebene Wanderkarte informiert über naturkundliche wie geschichtliche Besonderheiten des Waldes. Erwähnt werden auch die Kreuzsteine – eine spezielle Ansprache jedoch fehlt. Auch sind in der sonst sehr vielfältigen Wanderkarte die meisten Kreuzsteine eingetragen, eine besondere Wegbeschreibung aber gibt es nicht. Denn nach wie vor führen die meisten Grenzsteine im Wald buchstäblich ein Schattendasein. Wer nicht genau weiß wo man suchen soll, findet sie nicht.

 An dieser Stelle soll nun erstmalig eine vollständige Vorstellung aller im Neukloster Forst vorhandenen Kreuzsteine erfolgen. Basierend auf einer 1982 erfolgten Aufnahme der alten Grenzlinie wurden im Frühjahr noch mal alle Kreuzsteine besucht. Das Positive: Es gibt sie noch alle. Negativ aber schlägt zu Buche, dass ein Teil der Kreuzsteine trotz aller touristischen Aufwertung des Forstes schwer zu finden sind und unter Dornen und Moos verborgen liegen. Ein spezieller „Kreuzgangpfad“ wäre wünschenswert und würde der Bedeutung dieser schönen und zudem seltenen Denkmalgruppe Rechnung tragen.

 Die Erkundung der mittelalterlichen Grenzlinie beginnt der Besucher am besten auf dem zentralen Parkplatz am „FriedWald“. Dazu biegt man am großen Pfingstmarktplatz in die Neukloster Forststraße ein und biegt nach rund 400 Metern links auf den Parkplatz ab. Dort befindet sich eine große Karte des Waldes und man kann sich grob über die Lage der Steine orientieren. Die Kreuzsteine sind mit einem rechteckigen Kreuzsymbol bezeichnet. Für den östlichen der Teil der Grenzline, also dem Wilhelm-Cohrs-Weg, sind die Eintragungen vollständig. Im Bereich der westlichen Grenzlinie fehlen zwei Steine, sind aber vor Ort vorhanden. Bei der Erstaufnahme 1982 wurden die Steine von West nach Ost durchnummeriert. Im Westteil befinden sich die Steine 1 bis 7; im östlichen Teil die Steine 8 bis 13.

 

Wir beginnen im östlichen Teil und gehen links von der Infotafel entlang des Wilhelm-Cohrs-Weges, der teilweise auf der alten Grenzlinie liegt. Die Gesamtstrecke beträgt bis zum letzten Stein etwa 1,1 Kilometer.

 

Nach ca. 200 Metern befindet sich links am Wegesrand der Kreuzstein Nr. 9. Er ist wohl der bekannteste der Gruppe und rund 1,2 Meter hoch. Der Granitfindling steht inmitten eines Grabhügelfeldes Stein- und Bronzezeit. Hügel, die im hier lichten Laubwald gut zu erkennen sind.

 

Das Gelände fällt sanft zu einem Seitental ab. Nach rund 300 Metern steht links am Weg der Kreuzstein Nr. 10. Der 0,8 Meter hohe Granitfindling, der neben dem Kreuz auch eine weitere Rille aufweist, ist in der Vergangenheit bereits mehrfach bewegt und wohl erst kürzlich erneut aufgestellt worden. Daher weist das Kreuz nicht nach Süden, sondern nach Westen. Bei der Wanderung entlang des Weges fällt er daher besonders auf.

 

Das Gelände steigt erneut an und nach ca. 150 Metern ist bereist der nächste grün bemooste Grenzstein rechts am Wegrand zu sehen. Der Kreuzstein Nr. 11 ist rund einen Meter hoch, das Kreuz zeigt nach Süden. Der alte, die Steinlinie begleitende Weg verlief also abweichend von der heutigen Trasse weiter südlich im heutigen Wald.

 

Das Gelände fällt erneut zu einem schmalen Seitental ab. 150 Meter nach Stein Nr. 11 befindet sich Kreuzstein Nr. 12 fünf Meter rechts vom Weg an einer Eiche. Der rund 0,8 Meter hohe Findling bildet eine Ecke des Klosterbesitzes an – das Kreuz weist daher nach Osten. Im Frühjahr wurde der Stein vollständig von Dornenranken und Moos bedeckt aufgefunden. Im Sommer dürfte der Stein vollständig vom Grün überwuchert sein.

 

 

Von diesem Eckstein aus verläuft die historische Grenze Richtung Norden. Um den letzten, von hier aus noch 300 Meter Richtung Norden befindlichen Kreuzstein Nr. 13 aufzufinden, muss der Besucher einen schmalen, kaum benutzten Pfad gegenüber dem Stein Nr. 12 betreten und diesen Richtung Norden folgen. Der Pfad führt zu einer kleinen Waldwiese, in deren Mitte sich eine imposante japanische Sicheltanne erhebt. Bei Anlage der Wiese sind zahlreiche Findlinge zutage gefördert worden und an die Ränder gelegt worden, sie haben keinerlei historische Bedeutung. Der Pfad endet hier und der Besucher muss – sofern er gut zu Fuß ist -  rechts ins Seitental klettern, dass sich schluchtartig Richtung Norden erstreckt. Die schmale Schlucht bildete im Mittelalter die Ostgrenze des Klosterbesitzes und ist der urigste Teil der Kreuzsteingrenze. Man kann sich gut vorstellen, wie im Mittelalter der legendäre Knappe Hinrich von Borch, genannt „Isern Hinnerk“ hier als Holzvogt die Grenze kontrollierte und nach Holzdieben Ausschau hielt. Etwa 300 Meter von Stein Nr. 12 entfernt befindet sich der rund 0,7 Meter aus der Erde ragende Kreuzstein rechts am östlichen Hang der Schlucht. Dieser Kreuzstein ist der unscheinbarste der gesamten Grenze und ist derzeit völlig mit Moos überwuchert. Das nach Osten zeigende Kreuz ist über die Hälfte im Erdboden verborgen.

Stein Nr. 13 im Jahr 1982.

Weitere Kreuzsteine in der nördlichen Verlängerung der Grenzline sind nicht bekannt. Es ist aber durchaus möglich, dass sich im Schluchtbereich noch weitere umgestürzte und überwucherte Steine befinden. Gesucht wurde danach noch nicht.

Der Besucher geht nun den Weg zum Ausgangspunkt zurück. Gleich rechts der Infotafel verläuft ein befestigter Fußweg im spitzen Winkel Richtung SSO in den „FriedWald“ hinein. Nach 120 Metern ist der Kreuzstein Nr. 8 etwa 30 Meter rechts im lichten Nadelwald zu sehen. Der Stein steht inmitten alter Wegespuren, die hier in nördlicher Richtung zum Neuen Kloster führten und ist bis zum Kreuz von Erdreich bedeckt.

 Hier endet die Osttour. Die Fortsetzung beginnt mit einem auf der anderen Seite der Straße Richtung Westen abzweigenden Weg. Der Besucher kann entweder 30 Meter schräg Richtung Straße gehen um dort den nach Westen abzweigenden Weg zu erreichen, oder den Umweg über den Parkplatz nehmen. Vom Parkplatz aus geht man dann noch etwa 150 Meter entlang der Straße Richtung Süden, um dann in den befestigten Weg rechts abzubiegen.

 

 

Der Kreuzstein Nr. 7 befindet sich unübersehbar rechts im Winkel von Straße und Weg. Mit seinen 1,3 Metern Höhe gehört er zu den dicken Brocken der alten Grenzlinie. Das Kreuz weist nach Süden.

Stein Nr. 7 im Jahre 1980.

Wir folgen dem Weg und finden Kreuzstein Nr. 6 rund 120 Meter weiter rechts versteckt hinter einer dicken Buche. Die dicken Wurzeln des Baumes haben sich um die Schauseite des Steines gezogen und scheinen ihn förmlich nach hinten zu drücken.

Um die nächsten vier Kreuzsteine aufzufinden, orientieren wir uns an einer am Wegesrand aufgestellten Holzbank, etwa 100 Meter weiter in westlicher Richtung. Von dort aus geht man in den lichten Laubwald, hält sich leicht rechts und sieht in einer Entfernung von etwa 50 Metern einen flachen Stein auf der Oberfläche liegen.

Es handelt sich um Kreuzstein Nr. 5, der flach mit der Kreuzseite nach oben zeigt. Bei der Erstbegehung 1982 stand der Stein noch aufrecht an der Talkante. Wer ihn aus welchen Gründen ausgegraben und umgestürzt hat, ist unbekannt.

Kreuzstein Nr. 5 im Jahr 1982.

 

 

Wir gehen im lichten Wald immer an der Talkante entlang in nordwestlicher Richtung und entdecken etwa 70 Meter weiter Kreuzstein Nr. 4. Das Kreuz zeigt in Richtung Westen denn hier verschwenkt die Grenzlinie in Richtung Nordwest. Der aufmerksame Besucher erkennt die ausgefahrenen Wegespuren, die sich unmittelbar südlich des Steines befinden und in nordwestlicher Richtung zum ehemaligen Neuen Kloster verlaufen.

Wir bleiben an der Talkante und gehen Richtung Nordwest zur Kuppe eines dortigen, nach Norden in ein Tal vorspringenden Geländesporns. Rund 100 Meter von Stein Nr. 4 entfernt liegt hier der umgestürzte Kreuzstein Nr. 3.

 

Im Jahr 1982 konnte ich den damals komplett von Laub und Humus bedeckten Stein Nr. 3 wieder finden und freilegen.

 

 

Folgt man der Linie weiter in Richtung Nordwest erscheint im lichten Lärchenwald Kreuzstein Nr. 2. Ein Hochsitz in der Nähe mag als Orientierungshilfe dienen. In der Nähe dieses Steines wurde am 8. Juli 1905 der Königliche Förster Leske tot aufgefunden. War es ein Selbstmord, wie gemunkelt wurde oder die Tat eines Wilderers? Am Tatort setzten die Kollegen des Försters einen großen Gedenkstein nebst Inschrift. Zur Verwendung kam ein urgeschichtlicher Rillenstein, der aus der Nähe von Hollenbeck stammte. Dieser Stein wurde 1978 in das Schwedenspeicher-Museum transportiert und sieht inzwischen einer Neuaufstellung in Hollenbeck entgegen. Er wird deshalb hier erwähnt, weil er in älteren Lageplänen als weiterer Kreuzstein geführt wird.

 

Wir gehen zum Ausgangspunkt zurück und folgen dem befestigten Wirtschaftsweg Richtung Westen. Er fällt zum Tal des Mühlenbaches steil ab. Unten rechts am Steilhang steht der letzte Kreuzstein Nr. 1, ein 1,15 Meter hoher Findling mit Kreuz Richtung Westen. Ab hier verläuft die Grenze Richtung Norden entlang des Mühlenbaches. Ob sie einst mit weiteren Kreuzsteinen markiert war, ist unbekannt.

 

Ergänzend ist anzufügen, dass sich unweit des jüdischen Friedhofs ein weiterer – angeblich jüngerer – Kreuzstein befindet, der Überrest der 1750 neu gezogenen Waldgrenze war. Man findet ihn, wenn man am jüdischen Friedhof dem Weg folgt, nach ca. 120 Meter südlich der Bundesstraße rechts im Erdwall des Weges. Und nicht unerwähnt bleiben soll ein letzter Kreuzstein, der sich heute inmitten der Stader Innenstadt vor dem alten Heimatmuseum befindet (Ecke Inselstr./Wallstr.). Er stammt aus Heitmannshausen und weist sowohl ein mittelalterliches –griechisches – Kreuz wie das 1750 für die neue Grenzlinie verwendete römische Kreuz auf. Dieser Grenzstein ist also zweimal verwendet worden.

 Weiterführende Informationen unter www.landkreis-stade.de dort Gebietsfaltkarte Neukloster Forst zum Download.

 

 © Fotos und Text D. Alsdorf 2016

 

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